Lasttest und Performancetest mit HP Load Runner

Lasttest und Performancetest mit HP Load Runner

Es gibt nicht viele Tools für Lasttest und Performancetest, die universell eingesetzt werden können. Der Platzhirsch ist hier HP LoadRunner. In diesem Artikel möchten wir Ihnen die Vorteile sowie Nachteile von HP Load Runner in der aktuellen Version 12 zeigen. Vorher ist es aber wichtig, einige Begriffe genauer zu erläutern.

Was ist Lasttest bzw. Performancetest?

Primäres Ziel von Lasttest und Performancetest ist das Liefern des Beweises, dass das getestete System mit seinen Komponenten und Modulen effizient funktioniert. Nachfolgend werden die Definitionen für Lasttest bzw. Performancetest nach ISTQB aufgeführt.

Performancetest

“Testen zur Bestimmung der Performanz eines Softwareprodukts.”[1]
 

Lasttest

“Eine Art von Performance-Test, die das Systemverhalten eines System oder einer Komponente in Abhängigkeit steigender Systemlast (z.B. Anzahl parallele Benutzer, und/oder Anzahl Transaktionen) misst, um zu bestimmen, welche Last durch ein System oder eine Komponente bewältigt werden kann. Siehe auch Performanztest, Stresstest.”[2]
 

HP LoadRunner - Lasttest und Performancetest Tool

Der Platzhirsch bei dieser Testarten ist HP LoadRunner. Er ist eine der robustesten, leistungsfähigsten und bekanntesten Lasttestplattformen, doch in seiner kompletten HP integrierten Umgebung - es ist auch eine der einfachsten und am einfachsten zu bedienen. Zusammengefasst kann man sagen, der HP Load Runner ist eine Zusammensetzung verschiedener Tools aus dem Hause HP mit weitgehend erstreckenden Möglichkeiten und tollen Reporting-Mechanismen.
Durch den Einsatz der Test Suite HP LoadRunner bieten sich Möglichkeiten, unterschiedliche Anwendungen unter Last zu setzen, wie z.B. Webapplikationen, Desktop- und Mobile-Anwendungen. Auch Tests über API-Schnittstellen und AJAX-Anwendungen sind ebenfalls Bestandteil des Funktionsumfangs.
Keines der Testtools auf diesem Gebiet ist so mächtig und bietet so ein breites Spektrum an Einstellungs-, Konfigurations- und Visualisierungsmöglichkeiten wie der HP Load Runner.
HP LoadRunner - Lasttest und Performancetest

Da es sich hier um einen Test-Suite und nicht nur um ein einziges Lasttest Tool handelt, werden die Zusammenhänge sowie ein grober Aufbau der Toolkette in der nachfolgenden Grafik illustriert:
HP LoadRunner - Komponente 

Virtual User Generator - HP Load Runner

Der Virtual User Generator ist ein Testskript-Generator, in dem virtuelle Benutzer verschiedene Funktionalitäten der Applikation gleichzeitig bedienen können. Beim Ausführen solcher automatisierter Skripte wird die Leistungsfähigkeit getestet, wie z.B. die Ladefähigkeit der Anwendung unter realistischer Anwendungsauslastung.
Viele Lasttest Tools bieten ein breites Spektrum an Funktionalitäten, vernachlässigen aber leider das Thema “Reporting”. Der Benutzer von HP LoadRunner - VuGen genießt den Luxus, dass das Thema “Reporting” hier groß geschrieben wird. Dieses Tool bietet zahlreiche Visualisierungsarten der erfassten Kennzahlen. Das nachfolgende Bild zeigt eine mögliche Darstellung von Daten nach der Ausführung eines Testskripts in VuGen.
 

Virtual User Generator - HP Load Runner

Aufzeichnungsmöglichkeiten - HP Load Runner

Es ist möglich, dass das Benutzerverhalten aufgezeichnet werden kann, ähnlich wie bei Selenium IDE, Selenium Builder oder JMeter. Einer der größten Vorteile von HP Load Runner-VuGen gegenüber den anderen Lasttest Tools, neben der Unterstützung der zahlreichen Protokolle, steckt in dem Aufzeichnungsmodus - der Zeitpunkt der Aufzeichnung kann manuell bestimmt werden kann.

Controller - HP Load Runner

Dies stellt eine weitere Software-Komponente von HP Load Runner dar und kann auch als Standalone-Anwendung installiert werden. Aus dieser Einheit werden die erstellten VuGen-Skripten ausgeführt. Wie der Name es schon verrät, ist dies eine Steuereinheit. In diesem Kontrollzentrum werden bereits existierende Skripte, deren Reihenfolge der Ausführung, die Zeitabstände, die Ausführungszeiten, die Anzahl der virtuellen Usern und vieles mehr zielgerichtet gesteuert.
Parallel zur Ausführung können in Echtzeit verschiedene erfasste Metriken verfolgt werden, wie z.B.:
  • Anzahl der aktuell aktiven Benutzer
  • Die Reaktionszeit der momentan ausgeführten Requests
  • Hits per Second
  • Übersicht der lokalen Ressourcen des Lasttreibers
  • etc.
Nach dem Abschluss der Testsequenz/-en (erfolgreich oder nicht) wird eine Zusammenfassung generiert. In einer weiteren Komponente der Test-Suite namens “Analysis” wird eine detaillierte Übersicht über alle Transaktionen inklusive aller Metriken dargestellt und anschließend näher vorgestellt.
Controller - HP Load Runner
Wie in dem oberen Abschnitt erwähnt, liefert der HP Controller bereits Grafiken mit den wichtigsten Informationen während des Testlaufs. Diese erfüllen aber nicht die Anforderungen an ein gutes Reportingtool. Für die Analyse der erhaltenen Kennzahlen bietet das Tool “Analysis” seine Dienste an. Alle Daten- und Leistungsergebnisse werden zentral gespeichert und bieten Testmanagern und Entwicklern wichtige Informationen über Performance, Engpässe und Bruchstellen einer Applikation. Weiter unter ist eine Abbildung der Benutzeroberfläche mit Visualisierung beispielhafter Rohdaten zu finden.Ein Export dieser Rohdaten ist ebenfalls möglich. Die unterstützten Formate sind XLS und CSV. Daraufhin können diese Dateien in Tabellenkalkulationsprogrammen importiert und verwendet werden.

Reporting und das Modul “Analysis” - HP Load Runner

 
Im allermeisten Fall werden fünf Reports aus dem gewonnenen Daten generiert, die in unterschiedlichen Arten von Grafiken repräsentiert werden.
  • “Summary Report” - die Zusammenfassungsseite zeigt gebündelte Informationen auf einer einzigen Seite.
  • “Running Vusers” - zeigt die Anzahl der ausgeführten Vuser (virtuelle User) und ihren Status während jeder Sekunde eines Lasttests an. Diese Grafik ist für die Vuser-Last auf dem Server zu einem bestimmten Zeitpunkt nützlich.
  • “Hits per Second “- zeigt die Anzahl der Treffer an, die während jeder Sekunde des Lasttests auf dem Webserver von Vusers durchgeführt wurden. Diese Grafik hilft, die Höhe der generierten Last von Vusers in Bezug auf die Anzahl der Treffer zu bewerten.
  • “Throughput” - zeigt den Umfang des Durchsatzes (in Byte) auf dem Webserver während des Lasttests an. Der Durchsatz repräsentiert die Datenmenge, die die Vusers vom Server zu jeder gegebenen Sekunde erhalten haben. Diese Grafik hilft, die Höhe der generierten Last von Vusers in Bezug auf Server-Durchsatz zu bewerten.
  • “Transaction Summary” - zeigt die Anzahl der Transaktionen an, die übergeben, fehlgeschlagen, gestoppt oder mit Fehlern beendet wurden.
  • “Average Transaction Response Time” - zeigt die durchschnittliche Zeitdauer für die Durchführung von Transaktionen während jeder Sekunde des Lasttests an. Diese Grafik hilft festzustellen, ob die Leistung des Servers innerhalb akzeptabler Mindest- und maximaler Transaktionsleistungszeitbereiche liegt, die für das System definiert sind.
In diesem Artikel wird auf die oben genannten unterschiedlichen Report-Typen nicht sehr detailliert eingegangen, denn Ziel dieses Artikel ist in erster Linie, einen groben Überblick zu verschaffen.

HP Load Runner - Preis- und Lizenzmodell

Für welche Unternehmensgröße eignet sich diese Test-Suite?
Erwähnenswert: Ab der Version 12 ist HP Load Runner in der sogenannten Community Edition frei verfügbar. Der einzige Unterschied zwischen der HP Load Runner Community Edition und den restlichen Editionen (z.B. Enterprise) ergibt sich nicht aus den angebotenen Funktionalitäten, sondern aus der Anzahl der angeboten virtuellen Benutzern (sog. VUser). In der o. g. freien Version sind nur 50 VUser möglich und unabhängig von der genutzten Edition ist eine Registrierung notwendig. Da die Anschaffungskosten für eine größere Anzahl an virtuellen Nutzern eher hoch ausfallen, richtet sich die Test-Suite an größere Unternehmen, die eventuell bereits andere Produkte von HP Enterprise einsetzen, in die sich o.g. Suite ebenfalls integrieren lässt.
Nach aktuellem Stand (12.2016) stehen drei verschiedene Lizenzmodelle zur Verfügung, die in der nachfolgenden Tabelle kurz beschrieben werden:
Lizenzmodell
PreisBeschreibung / Kommentar
Community Editionkostenloskein Ablaufdatum
Virtual user days$.56 per virtual user daybegrenzt auf einige Tage
Enterprisepersonalisiertes Angebot - je nach Anzahl der eingekauften virtuellen Userje nach Vereinbarung
Detaillierte Informationen in der Übersicht über die Preismodelle können von der HP Enterprise-Homepage entnommen werden.

HP Load Runner - Zukunft

HP LoadRunner ist ein Lasttest und Performance Tool mit Traditionen. Es ist in einer Zeit entstanden, in der das Wasserfall-Modell ein sehr stark verbreitetes Vorgehensmodell in der Softwareentwicklung war. Auf dieser Basis ist auch das Vermarktungsmodell von HP Enterprise entstanden, aufgebaut worden und es wird weiterhin fortgeführt.
In der agilen Softwareentwicklung kann der HP Load Runner eher schlecht eingesetzt werden, da aktuell die Softwareentwicklungsprojekte über eine kurze Dauer ausgelegt sind und zwischen verschiedenen Thematiken schnell wechseln müssen. Aus diesen Gründen werden Tools bevorzugt, die auch mit diesem hohen Tempo mithalten können, schnell anpassbar und nicht sehr kostenintensiv in der Anschaffung und Weiterverwendung sind.
Andererseits ist das Erwerben des HP LoadRunner mit einer eher höheren Investition verbunden.
 
 
Quellen-Angaben:

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