IREB-Zertifizierung: Warum und wie Zertifizierung als Requirements Engineer?

Aufgabenbereich und Aufgaben im Requirements Engineering

Im Bereich des Requirements Engineering wird immer häufiger auch eine Zertifizierung gefordert, mit der das eigene Wissen und die eigene Erfahrung nachgewiesen werden kann. Mit einer Zertifizierung wird darüber hinaus auch ein Vorgehen nach einem weit verbreitetem Standard im Requirements Engineering hingewiesen.

Was ist Requirements Engineering (RE)?

Requirements Engineering besteht aus mehreren Teilen, die alle Tätigkeiten in Bezug auf Anforderungen betrifft:

Aufgabenbereiche und Aufgaben im RE

  • Ermittlung
  • Dokumentation
  • Abstimmung und Prüfung
  • Verwaltung

Anforderungen sind dabei alle Aussagen über Möglichkeiten oder Qualitäten, über die ein System verfügen soll. Zum Beispiel könnte es folgende Anforderungen geben:

  • Nutzer sollen sich per Username und Passwort einloggen können... (ausführliche Informationen)
  • Die Webseite soll im Normalbetrieb - unter nicht großer Last - innerhalb von 1 Sekunde aufgebaut werden... (ausführliche Informationen und Definition von "Normalbetrieb")

Diese Informationen erfährt der oder die Requirementes Engineer von Stakeholdern (alle beteiligten Personen und Personengruppen bzw. alle, die ein Interesse am Produkt oder Projekt haben).

Im Folgenden werden an dem Beispiel "Nutzer sollen sich per Username und Passwort einloggen können" die Anforderungen untersucht:

  1. Ermittlung würde dabei bedeuten, von einem Stakeholder (oder bestehenden Dokumenten) alle notwendigen Informationen zur Anforderung zu erhalten.
    Gibt es nur einen Nutzernamen oder auch eine E-Mail-Adresse zum Login? 
  2. Die aufgenommenen Informationen würden dann so dokumentiert, dass diese umgesetzt werden können - z.B. in Form von Texten oder Prozessdiagrammen.
    Es wird spezifiziert, was nach einem erfolgreichen Login passiert, ob es im wiederholten Fehlerfall eine Sperrung gibt, welche Logindaten es gibt (Nutzername und/oder E-Mail-Adresse, Passwort) usw.
  3. Im Anschluss würden die im vorigen Punkt erstellten Dokumente einer Prüfung unterzogen, um sicherzustellen, dass diese korrekt dargestellt und alle wichtigen Punkte enthalten sind.
    Es wird geprüft, ob die Dokumentation die Wünsche/Vorstellungen der Stakeholder wiedergibt.
  4. Alle Anforderungen müssen danach in einem System verwaltet werden: alle Dokumente und Informationen werden an eine Anforderung angehängt, die (geplanten) Umsetzungen verlinkt, mit verwandten Anforderungen verknüpft und so weiter.
    Verlinkung mit weiteren Anforderungen - z.B. Passwort-vergessen-Funktionalität - und mit den Stories in der Aufgabenverwaltung (bei agilem Vorgehen); gegebenenfalls auch mit den Tickets zu gefundenen Fehlern, zu Testfällen usw.

Alle diese Tätigkeiten gehören zum Requirements Engineering. 

Warum wird dies benötigt?

Steigende Kosten durch spätes Finden von Fehlern

Wie aus der Grafik hervorgeht, wird das Beheben eines Fehlers teurer, je später dieser gefunden wird. Dies kommt z.B. daher, weil dann mehr Stellen - Programmierung, Dokumentation, Tests - geändert werden müssen und darüber hinaus gegebenenfalls auch Produktivreleases mit allen Nachteilen stattfinden müssen.,

Aber nicht nur die Kosten, sondern auch die Zufriedenheit der Stakeholder spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle: wenn das Ergebnis nicht dem entspricht, was gewünscht, erwartet, angefordert wurde, sinkt z.B. die Lust oder Motivation, das entsprechende Produkt zu nutzen.

Davon abgesehen gibt es selbstverständlich auch Anforderungen, die sich aus Gesetzen, Normen und Standards ergeben und wenn diese nicht eingehalten werden, gibt es eventuell keine Zertifizierung oder das Produkt darf gar nicht vertrieben oder genutzt werden.

Es gibt also unterschiedliche Gründe, warum Anforderungen auf professionelle Art erhoben, dokumentiert und verwaltet werden müssen.

Welche IREB Zertifikate gibt es?

Das Internation Requirements Engineering Board (IREB) zertifiziert in drei Stufen des Certified Professional for Requirements Engineering (CPRE):

  • IREB Foundation Level
  • IREB Advanced Level
  • IREB Expert Level

Die Zertifikate bauen aufeinander auf, d.h. für ein Zertifikat im Expert Level wird ein Advanced Level-Zertifikat benötigt, hierfür das des IREB Foundation Level.

Das IREB Foundation Level beinhaltet das Grundlagenwissen im Requirements Engineering, außerdem die nötigen Methoden und Techniken. Es bereitet Sie somit darauf vor, professionelles Requirements Engineering zu betreiben. Außerdem gibt es mit RE@Agile Primer ein Zertifikat im IREB Foundation Level, bei dem dargestellt wird, mit welchen Methoden und Techniken Requirements Engineering in agilen Projekten und Teams betrieben werden kann.

Im IREB Advanced Level können Sie sich dann tiefer in einzelne Bereiche einarbeiten bzw. zertifizieren lassen

  • Requirements Elicitation and Consolidation (E&C)
    Erhebungs- und Konsolidierungstechniken
  • Requirements Modeling
    Grafische Modellierung von Anforderungen
  • Requirements Management
    Management von Anforderungen
  • Advanced RE@Agile
    Besondere Methoden und Techniken für agile Projekte/Teams

Im IREB Expert Level gibt es keinen Lehrplan, für Experten im Requirements Engineering sind die Anforderungen besonders hoch und beinhalten mehrere Advanced Zertifikate, mehrjährige Berufserfahrung im Requirements Engineering sowie Trainer- oder Coachtätigkeit. Die Zertifizierung besteht aus einer Bewerbung, einer Hausarbeit sowie einer mündlichen Prüfung.

Wie bereite ich mich auf die IREB Zertifizierung vor?

Sie können sich im Selbststudium alle Inhalte aneignen oder an einem entsprechenden IREB Seminar teilnehmen. Hierzu haben wir einen eigenen Artikel geschrieben. 

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