Tools für das Testmanagement und verwandte Aufgaben

Funktionen von Testmanagement-Tools

In diesem Artikel möchten wir ihnen berichten, wozu Testmanagement-Tools benötigt werden, welche Unterschiede es gibt und wie sie effektiv genutzt werden können.

Wir starten mit den Vorteilen, die solche Tools mitbringen.

Vorteile und Nutzen eines Testmanagement Tools

Ein Testmanagement-Tool ist ein Werkzeug, mit dem ein Testteam an Testfällen und Fehlern arbeiten und das Testmanagement diese Tätigkeiten überwachen kann. Zusätzlich bietet ein solches Tool viele weitere Möglichkeiten, z.B. Statistiken erstellen, Warnmechanismen zum Einhalten von Zeiten, Kommunikationsplattformen u.v.m

Ein Testmanager oder eine Testmanagerin verliert nicht so schnell den Überblick, wenn ein solches Tool genutzt wird. Es wird deutlich, wer als nächstes für eine Aufgabe vorgesehen ist und bis wann die Erledigung geplant ist. Um es einfacher auszudrücken: das Testmanagement-Tool hilft dabei u.a. menschliche Fehler zu verhindern und Situationen besser verstehen und überblicken zu können. Durch einen besser geregelten Ablauf lassen sich Fehler früher finden oder überhaupt erst einmal erkennen. Durch rechtzeitiges Erkennen von Fehlern werden die Kosten des Projekts gesenkt und unnötige Engpässe vermieden. Somit steigen auch die Qualität des Produkts und das Vertrauen des Kunden. Für Personen, die ein Interesse am Verlauf oder Ergebnis eines Prozesses oder Projektes haben (Stakeholder), werden die Abläufe und der Stand transparent und (mögliche) Probleme können frühzeitig erkannt werden. 

Automatisierte Testfälle lassen sich gegebenenfalls mit einem Testmanagement-Tool auswerten und damit lassen sich Zeit und Kosten einsparen. Auch können Testfälle sehr einfach wiederverwendet und damit Zeit bei der Erstellung neuer Testfälle gespart werden. Anforderungen können bei einigen Tools mitverwaltet und im Idealfall mit den entsprechenden Testfällen verknüpft werden. Somit kann leicht überprüft werden, ob alle Anforderungen ausreichend durch Testfälle abgedeckt sind. Fehler lassen sich gut mit Screenshots und Logs versehen, damit leichter nachzuvollziehen werden kann, wie die entsprechenden Fehler entstanden sind bzw. es lässt sich somit der jeweilige Fehlergrund erkennen. Dies ermöglicht es, zu erkennen, ob es beispielsweise für einen anderen Fehler dieselbe Ursache gibt.

Die Auswertungen helfen dem Management frühzeitig, Tendenzen zu erkennen oder Fehlerquellen aufzudecken, die so nicht oder nicht so schnell gefunden würden. Es lassen sich auch Auffälligkeiten feststellen, z.B., dass einem Entwickler 15 Fehler zugewiesen sind und einem ebenso erfahrendem nur wenige. So können Aufgaben besser verteilt und somit die Zeit für die Fehlerbehebung verkürzt werden.

Auf der folgenden Grafik sind die verschiedenen Funktionalitäten, über die Testmanagement-Tools häufig verfügen, dargestellt:

Häufige Funktionalitäten von Testmanagement-Tools

Überblick der Testmanagementtools - kommerzielle und Open Source-Produkte

Es gibt kommerzielle Testmanagement-Tools und Open Source Produkte.

Zu den bekanntesten kommerziellen Testmanagement-Tool zählen:

  • Micro Focus Quality Center / ALM (vormals HP)
  • Tricentis Tosca Testsuite
  • Microsoft Testmanager
  • IBM Rational Quality Manager
  • Polarion ALM.

Es gibt aber noch viele andere Tools, die vielleicht sogar sehr gute Funktionen besitzen, aber aus unterschiedlichen Gründen weniger häufig genutzt werden.

Kommerzielle Tools bringen sicherlich durch Umfang, offiziellen Support, Vertrags- bzw. Haftungsbedingungen etc. einige entscheidende Vorteile mit, sind allerdings im Normalfall mit erheblichen Kosten für Lizenzen verbunden. Daher bieten sich für viele Firmen Open Source Produkte an.

Drei bekannte Tools werden im Folgenden genauer betrachtet:

Micro Focus (vormals HP) ALM ist eines der meistgenutzten Tools in Großunternehmen. ALM bedeutet "Application Lifecycle Management" und meint, dass Applikationen durch ihren kompletten Lebenszyklus begleitet werden. Micro Focus ALM ist eine Sammlung von Software-Tools, die für die Anwendungsentwicklung und -tests entwickelt wurden. Es umfasst Tools für das Anforderungsmanagement, Testplanung und Funktionstests, Leistungstests (in Verbindung mit HP Performance Center), Entwicklermanagement (durch Integration von z.B. Collabnet, TeamForge oder Microsoft Visual Studio) und Fehlermanagement. ALM bietet IT-Abteilungen eine zentralisierte Application-Management-Plattform zur Verwaltung und Automatisierung innerhalb und zwischen den Anwendungsteams, während des gesamten Prozesses der Entwicklung einer Anwendung in einem einzigen Workflow. 

Quality Center ist der Bestandteil des Komplettpaketes, welcher sich unter anderem mit dem Qualitätsmanagement beschäftigt. Bestandteile davon sind die Software-Qualitätssicherung, einschließlich Anforderungsmanagement, Testmanagement und Geschäftsprozess-Tests für IT- und Anwendungsumgebungen. Mit kostenlosen Plugins können Testfallkataloge aus Microsoft Excel oder auch csv-Dateien importiert werden. Auch der Fehlermanagement-Bereich ist ausgereift und es lassen sich viele Einstellungen vornehmen, um diesen an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Alles in allem eine Komplettlösung, welche allerdings auch ihren Preis hat.

Tricentis Tosca ist ein Software-Test-Tool, mit dem End-to-End-Tests für Software-Anwendungen automatisiert werden. Es kombiniert mehrere Aspekte des Softwaretests (Testfalldesign, Testautomatisierung, Testdatenentwurf und -generierung und -analytik), um GUIs und APIs aus einer geschäftlichen Perspektive zu testen. Zwei der am Häufigsten genannten Technologien, die in Tricentis Tosca verwendet werden, beziehen sich auf modellbasierte und risikobasierte Tests. Zusätzlich verfügt Tosco über eine SAP-zertifizierte Integration mit SAP und automatisiert das Testen auf vielen SAP-Technologien wie SAP S / 4HANA u.s.w.

Microsoft Test Manager (MTM) wird zusammen mit Visual Studio installiert. Es ermöglicht Anwendern das Testen der von ihnen erstellten Applikationen. Testpläne und Ergebnisse werden von MTM auf dem Team Foundation Server (TFS) gespeichert. MTM bietet die Flexibilität, Aktionen während der Durchführung eines Tests ohne die vorherige Festlegung der Schritte aufzuzeichnen, manuelle Tests zu planen oder Testsuites oder -pläne von einem Projekt in ein anderes zu kopieren. Zudem können verschiedene Versionen eines Tests für unterschiedliche Hardware- oder Softwarekonfigurationen erstellt und Diagnosedaten wie Ereignisprotokolle, IntelliTrace-Daten, Videodaten etc. während der Ausführung eines Tests erfasst werden.

Open Source-Tools für das Testmanagement

Die größten Vorteile von Open Source-Tools liegen nicht in den wegfallenden Lizenzkosten, sondern vor allem in der Offenheit der Schnittstellen etc., der vielfältigen - oftmals sogar kostenlosen - Hilfe/Support im Internet und der Möglichkeit, den Programmcode anzupassen.

Es gibt ein viele Open Source Tools, die vom Testmanagement genutzt werden können, von denen im Folgenden mehrere genauer betrachtet werden. Dies sind TestLink, Bugzilla Testopia und Mantis Bug Tracker.

TestLink ist ein Web-basiertes ALM Tool mit typischen Features wie Anforderungsmanagement, Testfallerstellung und Verwaltung, Testdurchführung, Reporting u.v.m.

TestLink kann mit Bug-Trackern wie JIRA, Mantis oder Bugzilla eingesetzt werden, da das Tool selbst keine Bug-Tracking-Funktionalität besitzt. Die Verlinkung zu Testfällen erfolgt dann jedoch manuell durch Erfassen des Links oder der Fehlernummer, was eine gewisse Disziplin der Tester erfordert. Die Installation erfolgt in der eigenen Hardwarelandschaft. Zum Betrieb sind ein Datenbank- und ein Webserver notwendig, die alle auf dem gleichen Rechner installiert sein können. Installation und Konfiguration gehen reibungslos vonstatten. Das Reporting liefert alle wichtigen Informationen in HTML bzw. im Word- oder Excel-Format.

Bugzilla Testopia ist eine Testmanagement-Erweiterung des Bug-Trackers Bugzilla. Es ist für die Verfolgung von Testfällen ausgelegt. Auch der Verlauf der wöchentlichen oder release-basierten Tests von verschiedenen QA-Teams kann verfolgt werden. Mit Testopia können Testfälle erstellt und Testläufe durchführt werden.

Merkmale von Testopia sind u.a.

  • Testfälle und Ergebnisse können in eine CSV-Datei exportiert werden
  • Unterstützt den XML-Export und -Import von Testplänen und untergeordneten Elementen
  • Stellt eine Verbindung zwischen Fehlern und Testfällen her

Bugzilla ist in Deutsch erhältlich. Sprachpakete lassen sich einfach hinzuinstallieren. Als Datenbanksystem kann zwischen MySQL, PostgreSQL und Oracle gewählt werden. Bugzilla ist auf jedem Betriebssystem lauffähig, für das eine Perl-Distribution, ein geeigneter Webserver und ein entsprechendes Datenbanksystem existieren.

Mantis ist eine Open Source Software, welche zunächst einmal als Bugtracker zur Verwaltung und Verfolgung von Hinweisen auf Programmfehler eingesetzt wird. Eine Stärke von Mantis liegt in der Unterstützung von agilen Prozessen. Es gibt einige hilfreiche Praktiken und auch Plugins, welche z.B. Kanbanboards benutzen und Scrum unterstützen. Mantis hat viele Möglichkeiten, Aufgaben und Fehlerberichte zu kommentieren oder darüber zu berichten.

Mantis verfügt über ein ausgefeiltes Rollen-Rechte-System. Im Bereich Testmanagement liegen Mantis Stärken nicht unbedingt, aber es gibt Plugins und auch die Möglichkeit, über TestLink Auswertungen und Reportings zu erstellen. Es ist außerdem möglich, mit kostenpflichtigen Testmanagement-Tools wie z.B. TestRail zu interagieren.

Einführung einer Testmanagement-Software

Wenn die passende Softwarelösung gefunden wurde, muss diese im Unternehmen eingeführt werden. Die nachfolgenden Punkte haben sich bei der Einführung eines Testwerkzeuges bewährt.

  • Interne Prozesse analysieren und daraus Anforderungen an das Tool ableiten
  • Definition der Richtlinien für die Werkzeugbenutzung 
  • Mitarbeitern Schulungsmaßnahmen bereitstellen
  • Werkzeug schrittweise einführen und ein begleitendes Coaching anbieten

Ein neu eingeführtes Tool wird im Allgemeinen nicht von Beginn die eigenen Stärken und Vorteile zeigen. Wie bei jedem neuen Werkzeug muss der Gebrauch zunächst erlernt werden, Gegebenenfalls müssen zusätzlich Prozesse angepasst und sich diese eingespielt haben. Aber der Nutzen daraus macht sich in mehrfacher Hinsicht bezahlt. Sobald einige Mitarbeiter das Tool ausreichend verinnerlicht haben, baut sich das Wissen meist auch bei den anderen schnell auf (Multiplikatoreffekt). Je besser der Wissenstransfer, desto schneller ist ein solches Tool in den täglichen Ablauf integriert.

Da die Wahl des Tools meist anhand der Anforderungen und Wünsche der Betroffenen ausgesucht wurde, sollte z.B. auch das Testmanagement bereits vorher wissen, welche Prozesse mit dem neuen Werkzeug gesteuert werden sollen. Die schnelle und erfolgreiche Einführung einer Testmanagement-Software hängt also viel von Kommunikation und Vorbereitung ab.

Zielsetzung der Testmanagement Tool-Evaluierung

Das Einführen einer neuen Testmanagement-Software kann über Erfolg oder Misserfolg eines IT-Projekts entscheiden. In den häufigsten Fällen allerdings werden die Prozesse transparenter, schneller, besser und übersichtlicher. Damit dies erreicht wird, ist eine schrittweise Einführung eines passenden Testwerkzeugs unverzichtbar. Es gilt, allen beteiligten Personen die neue Technologie nahezubringen, und sie weiterhin bei dem Erlernen der Nutzung zu unterstützen. Je höher die Qualität der Unterstützung, desto besser ist letztendlich auch das Ergebnis in der Prozessverbesserung.

Ein Fehler z.B. kann schneller behoben werden, wenn in der Fehlerbschreibung alle wichtigen Daten enthalten sind und die Entwicklung zügig und mit allen Einzelheiten informiert wurde. Das Testmanagement kann gegenüber dem Projektmanagement besser argumentieren, wenn vollständige Statistiken und Berichte vorliegen.

Dabei hilft ein Testmanagement Tool, wenn es in den Betrieb integriert wurde und entsprechend genutzt wird.

Zusammenfassung Testmanagement-Tools

Je größer ein Projekt, desto wichtiger sind Übersicht, Planung, Information etc.

Es wird mittel- oder langfristig in so gut wie allen Projekten durch das passende Testmanagement-Tool Geld und Zeit gespart. Selbst kurzfristig kann ein solches Tool eine große Ersparnis bringen, wenn dadurch Umstände aufgedeckt werden, die sonst erst viel später oder gar nicht gefunden worden wären und die zu großen Zeitverlusten und Kosten geführt hätten.

Durch zuverlässigeres Testmanagement und Testen allgemein wird das Produkt qualitativ hochwertiger und enthält weniger Fehler, was sich auch auf die positive Außendarstellung (Image) auswirkt.

 

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