Wenn du SAP-Fiori-Apps testen willst, hattest du bisher zwei Optionen: Enterprise-Tools wie Tricentis Tosca mit Lizenzkosten im fünfstelligen Bereich, oder selbst gebauter Selenium-Code mit brittle XPath-Selektoren. 2025 ist eine dritte Option dazugekommen: Playwright mit speziellen UI5-Erweiterungen, die SAP-Controls über die UI5-Runtime ansprechen statt über DOM-Heuristik.
In diesem Artikel zeige ich dir die drei produktiv eingesetzten Playwright-SAP-Frameworks (playwright-sap, playwright-praman, playwright-ui5), wann jedes sinnvoll ist und wo die Grenzen liegen. Du bekommst Code aus echten Projekten, eine Tosca-Vergleichs-Matrix und einen Praxis-Case aus einem Mittelstands-S/4HANA-Rollout.
Zusätzlich klären wir den Compliance-Teil: Wenn dein Test-Code SAP-Mitarbeiterdaten anfasst, greift DSGVO. Wenn du KI-gestützte Locator-Heilung nutzt, kann der EU AI Act zuschlagen. Diese Sektion habe ich bewusst in Beratungs-Tonalität geschrieben, damit du sie an deine IT-Leitung weitergeben kannst.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist SAP-Testautomatisierung und warum sie sich rechnet
- Was SAP-Testautomatisierung 2026 anders macht
- Setup mit playwright-sap in 5 Minuten
- UI5-Locators ohne brittle XPath
- Fiori Launchpad: Tests gegen Cloud und On-Prem
- 3 Playwright-SAP-Frameworks im Vergleich
- Tosca vs. Playwright für SAP: Entscheidungs-Matrix
- CI/CD mit GitHub Actions und SAP Cloud Connector
- Praxis-Case: 18 Fiori-Tests in 14 Tagen
- DSGVO und EU AI Act bei SAP-Test-Daten
- Fazit: Wann Playwright Tosca ergänzt
- Häufige Fragen zu SAP-Testautomatisierung mit Playwright (FAQ)
Was ist SAP-Testautomatisierung und warum sie sich rechnet
SAP-Testautomatisierung beschreibt den Einsatz von Software-Werkzeugen, die SAP-Anwendungen wiederholbar und ohne menschliches Klicken testen. Statt dass fünf Power-User nach jedem Release drei Tage lang dieselben Bestell-, Buchungs- und Reklamations-Workflows manuell durchspielen, übernehmen automatisierte Test-Skripte diese Arbeit in Minuten. Das gilt für klassisches SAP ERP genauso wie für S/4HANA On-Premise, S/4HANA Cloud Private und S/4HANA Cloud Public.
Für Entscheider ist die Frage selten „ob", sondern „wann und wie". Vier konkrete Argumente machen Testautomatisierung in SAP-Landschaften 2026 zur strategischen Notwendigkeit:
- Release-Geschwindigkeit: Viermal jährlich liefert SAP neue Cloud-Releases (Februar, Mai, August, November) mit Innovationen, aber auch mit Risiken. Nach jedem Update müssen Geschäftsprozesse erneut getestet werden, damit Bestellungen, Wareneingänge und Abrechnungen weiterhin sauber durchlaufen.
- Manuelle Fehlerquoten: Wiederholte Klick-Tests durch Menschen werden bei der zehnten Iteration unzuverlässig. Schritte werden vergessen, Eingaben verwechselt, Edge-Cases nicht geprüft. Automatisierte Tests sind reproduzierbar und liefern dasselbe Ergebnis bei jedem Lauf.
- Kritische Geschäftsprozesse: Bricht der Bestell-Workflow oder die Lieferantenanlage nach einem Release, kann die Logistik nicht abwickeln, der Cash-Flow leidet, Vertragsstrafen drohen. Automatisierte Regressions-Tests fangen solche Brüche im Test-Mandant ab, bevor sie produktive Auswirkungen haben.
- Strategische Notwendigkeit, nicht Nice-to-have: Wer SAP Cloud nutzt, hat keine Kontrolle mehr über das Release-Tempo. Manuelle Test-Pakete skalieren nicht mit der Update-Frequenz mit. Die Investition in Test-Automatisierung amortisiert sich typischerweise nach drei bis vier Release-Zyklen.
In der Praxis sehen wir zwei Tool-Welten: Konzern-Setups mit Tricentis Tosca oder Worksoft Certify (kommerzielle Enterprise-Tools mit fünfstelligen Jahreslizenzen) und mittelständische S/4HANA-Cloud-Kunden, die mit Open-Source-Werkzeugen wie Playwright deutlich günstigere Setups aufbauen. Dieser Artikel zeigt, wann Playwright die richtige Wahl ist und wo Tosca weiterhin den Standard setzt. Vertiefung zur Enterprise-Sicht findest du im Tricentis-Tosca-Artikel.
Was SAP-Testautomatisierung 2026 anders macht
SAP-Testautomatisierung hat eine lange Tool-Geschichte. Bis etwa 2015 dominierten klassische SAP-GUI-Tester wie SAP eCATT, SAP TAO oder Tricentis Tosca mit speziellen GUI-Engines. Mit der Einführung von Fiori als HTML5-Frontend ab 2013 und der Cloud-Transformation zu S/4HANA Cloud Public 2018 hat sich die technische Basis fundamental geändert. SAP-Anwender öffnen heute ein Browser-Fenster, nicht mehr einen nativen GUI-Client.
Für die Testautomatisierung bedeutet das: Die alten Tool-Engines passen weiterhin, decken aber nur noch einen Teil der Realität ab. Tosca dominiert in Konzernen mit Mainframe-, Java-Swing- und WebGUI-Mischsystemen. Für mittelständische Unternehmen mit reinem S/4HANA-Cloud-Stack stellt sich die Frage neu, ob die fünfstellige Tool-Lizenz pro Jahr noch angemessen ist, wenn das eigentliche Test-Objekt ein Browser-Frontend ist.
Hier kommt Playwright ins Spiel. Microsoft hat das Open-Source-Framework 2019 veröffentlicht, seit 2025 gibt es spezialisierte UI5- und Fiori-Erweiterungen. Drei Frameworks haben sich produktiv etabliert: playwright-sap, playwright-praman und playwright-ui5. Sie alle adressieren das gleiche Kernproblem: SAP-Controls (Buttons, Inputs, Tables) sollen über die UI5-Runtime-Registry angesprochen werden, nicht über brittle XPath-Selektoren auf DOM-Ebene. Vertiefend zur Cluster-Einordnung findest du im Tricentis-Tosca-Artikel die Enterprise-Sicht.
Setup mit playwright-sap in 5 Minuten
Der schnellste Einstieg führt über das npm-Package playwright-sap (offizielle Quelle: playwright-sap.dev). Es ist MIT-lizenziert, vendor-frei und installiert sich in zwei Befehlen neben dem klassischen Playwright-Test-Runner.
# Voraussetzungen: Node.js 20+, npm 10+
# Installation
npm install --save-dev @playwright/test playwright-sap
# Initialisierung (legt playwright-sap.config.ts an)
npx playwright-sap init
# Browser-Binaries laden
npx playwright install --with-deps chromium
# Erster Test
npx playwright test
Der entscheidende Mehrwert gegenüber dem nackten Playwright steckt im Login-Helper. SAP-Backends sprechen ein eigenes Authentifizierungs-Protokoll mit CSRF-Token, SAML-SSO oder OAuth2-Flow gegen die SAP BTP. Playwright-SAP kapselt das in einer Fixture, die du pro Test als sapPage erhältst. Beispiel für einen Fiori-Launchpad-Test:
import { test, expect } from 'playwright-sap';
test('Fiori Launchpad öffnet sich', async ({ sapPage }) => {
await sapPage.loginFiori({
url: 'https://s4-staging.example.com/sap/bc/ui2/flp',
user: process.env.SAP_USER!,
password: process.env.SAP_PASS!,
});
await expect(sapPage.locator('ui5=sap.m.ShellHeader')).toBeVisible();
});
Wichtig: Die SAP-Credentials gehören nicht in den Code, sondern in eine .env-Datei (lokal) oder in GitHub-Secrets (CI/CD). Der Login-Helper holt das CSRF-Token automatisch beim Aufruf von /sap/bc/ui5_ui5/, hält die Session-Cookies bis zum Test-Ende und macht ein sauberes Logout über /saplogon.
UI5-Locators ohne brittle XPath
Das Kernproblem klassischer SAP-Tests sind die DOM-Selektoren. SAP UI5 generiert Element-IDs dynamisch über das Framework, beispielsweise __button42-inner. Bei jeder neuen UI5-Version oder jedem App-Transport verschieben sich diese IDs. Tests brechen. Jemand muss die Selektoren manuell nachziehen.
// ❌ Brittle (klassisches Playwright):
await page.click('//div[@id="__button42-inner"]/span');
// ✅ Resilient (playwright-sap mit ui5-Selector):
await sapPage.locator('ui5=sap.m.Button[text=Anlegen]').click();
// ✅ Noch resilienter (Praman mit Property-Match über UI5-Runtime):
await sapPage.ui5Control({ controlType: 'sap.m.Button', text: 'Anlegen' }).click();
Der Unterschied wirkt klein, ist aber strukturell groß. Der UI5-Locator spricht den Control über seinen semantischen Typ (sap.m.Button) und sichtbaren Text an. Ändert sich das DOM-Attribut intern, bleibt der Test grün. Ändert sich der Button-Label, fängt ihn ein KI-gestützter Heilungs-Loop ab (siehe Frameworks-Vergleich unten). Für Playwright-Grundlagen zur Locator-Strategie siehe das Playwright-Tutorial.
Fiori Launchpad: Tests gegen Cloud und On-Prem
SAP-Landschaften kommen 2026 in drei Varianten vor: S/4HANA Cloud Public (Subscription), S/4HANA Cloud Private (BYOL) und S/4HANA On-Premise. Alle drei sprechen denselben Fiori-Launchpad-Standard, unterscheiden sich aber im Authentifizierungs-Pfad und Netzwerk-Setup.
// S/4HANA Cloud Public (BTP-Auth via SAML-IdP)
await sapPage.loginCloud({
identityProvider: 'https://accounts.sap.com/saml2/idp/...',
user: process.env.BTP_USER!,
// Passwort kommt aus Identity Authentication Service
});
// S/4HANA On-Premise über SAP Cloud Connector (SCC)
await sapPage.loginOnPrem({
scc: 'https://scc.internal:8443',
systemId: 'S4P',
client: '100',
user: process.env.SAP_USER!,
password: process.env.SAP_PASS!,
});
Der SAP Cloud Connector wird zum kritischen Verbindungsstück, sobald die Test-Pipeline aus der Cloud (etwa GitHub Actions) gegen ein On-Prem-System läuft. Der Connector öffnet einen TLS-Tunnel, durch den der Playwright-Test die internen Fiori-URLs erreicht, ohne dass das SAP-System direkt ans Internet muss. Setup-Tiefe siehe SAP-eigene Dokumentation, Audit-Spuren landen in der SCC-Audit-Log.
3 Playwright-SAP-Frameworks im Vergleich
Aktuell sind drei Playwright-Erweiterungen für SAP produktiv im Einsatz. Sie überlappen funktional, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Die Wahl hängt davon ab, ob du WebGUI brauchst, ob du KI-Self-Healing willst und wie minimalistisch dein Setup sein soll.
| Framework | playwright-sap | playwright-praman | playwright-ui5 |
|---|---|---|---|
| Maintainer | ArpitSureka | mrkanitkar (AI-First) | DetachHead |
| npm-Package | playwright-sap | playwright-praman | playwright-ui5 |
| UI5-Locator-Syntax | ui5=sap.m.Button[text=Anlegen] | ui5Control({...}) | ui5=//sap.m.Button[ui5:property...] |
| WebGUI-Support (SAP GUI for HTML) | Ja | Nein (UI5-only) | Nein |
| S/4HANA Cloud Public | Ja | Ja | Ja |
| BTP Cloud Foundry | Ja | Ja | Ja |
| KI-Self-Healing | Nein | Ja (UI5-Runtime-Inspection) | Nein |
| Lizenz | MIT | MIT | MIT |
| Empfehlung | Breitester Default | UI5-only mit KI-Bedarf | Minimaler Footprint |
Faustregel aus der Beratungs-Praxis: playwright-sap ist der erste Griff für Mischsysteme mit UI5 und WebGUI (etwa S/4HANA mit Legacy-Transaktionen). playwright-praman lohnt sich, wenn du eine reine Fiori-Landschaft hast und KI-getriebene Locator-Heilung einsetzen willst (analog Pattern Playwright MCP Server). playwright-ui5 ist minimaler und passt für kleine UI5-only-Projekte ohne KI-Anspruch.
Tosca vs. Playwright für SAP: Entscheidungs-Matrix
Die häufigste Frage in Beratungsgesprächen lautet: „Ersetzt Playwright bei uns Tosca?" Die Antwort hängt nicht vom Tool ab, sondern vom Stack. Die Matrix unten fasst die Entscheidungs-Achsen zusammen, die wir bei DBI, Versicherern und mittelständischen Logistikern gesehen haben.
| Kriterium | Tricentis Tosca | Playwright + UI5-Erweiterungen |
|---|---|---|
| Lizenzkosten | Enterprise-Lizenz (5-stellig pro Jahr aufwärts) | 0 (MIT Open Source) |
| SAP-Tiefe | WebGUI + Fiori + Mainframe + 160+ Technologien | Web + Fiori (UI5) |
| SAP-zertifiziert | Ja, offizieller Cloud-ALM-Partner | Nein |
| Modell-basiert (No-Code) | Ja, Tosca-Designer | Nein, Code-First TypeScript |
| CI/CD-Integration | Tricentis qTest, eigene Test-Server | GitHub Actions, Jenkins, Azure DevOps nativ |
| Test-Engineer-Skill | Tosca-Zertifizierung 3-5 Tage | TypeScript-Kenntnisse |
| Time-to-First-Test | 2-3 Wochen (inkl. Schulung) | 1-2 Tage |
| Beste Use-Cases | Konzern, Multi-System-Mix, regulatorische Audit-Pflicht | Mittelstand, S/4HANA Cloud, OSS-Stack |
In der Praxis schließen sich die Tools nicht aus. Wir sehen zunehmend Setups, in denen Tosca die kritischen End-to-End-Geschäftsprozesse abdeckt (Order-to-Cash, Procure-to-Pay) und Playwright die schnellen Frontend-Regressions-Tests pro Fiori-App übernimmt. Vorteil: Tosca-Lizenzkosten bleiben konstant statt mit Test-Anzahl zu steigen, Playwright-Tests laufen pro Pull-Request kostenlos in der CI/CD-Pipeline.
CI/CD mit GitHub Actions und SAP Cloud Connector
Eine produktive Pipeline für SAP-Playwright-Tests besteht aus drei Komponenten: einem Self-Hosted-Runner mit Tunnel zum SAP-System, einem GitHub-Secrets-Store für die SAP-Credentials und einem Workflow, der pro Pull-Request die Tests ausführt. Beispiel-Konfiguration:
# .github/workflows/sap-playwright-tests.yml
name: SAP Fiori Tests
on:
pull_request:
branches: [main]
schedule:
- cron: '0 6 * * 1-5' # Werktags 06:00 UTC nach SAP-Transport
jobs:
test:
runs-on: self-hosted # Self-Hosted-Runner mit SCC-Tunnel
steps:
- uses: actions/checkout@v4
- uses: actions/setup-node@v4
with: { node-version: 20 }
- run: npm ci
- run: npx playwright install --with-deps chromium
- name: Run SAP Fiori tests
env:
SAP_USER: ${{ secrets.SAP_USER }}
SAP_PASS: ${{ secrets.SAP_PASS }}
SAP_BACKEND: https://s4.internal:8443
run: npx playwright test --grep @sap
- if: failure()
uses: actions/upload-artifact@v4
with:
name: playwright-trace
path: test-results/
retention-days: 14
Drei Patterns sind in unseren Mandaten gut angekommen: Erstens, der Self-Hosted-Runner läuft als Linux-VM in derselben Netzwerk-Zone wie der SAP-Cloud-Connector und übernimmt den Tunnel-Aufbau bei Start. Zweitens, der Test-Run startet automatisch nach jedem SAP-Transport (Cron-Schedule), nicht nur bei Frontend-Pull-Requests. Drittens, fehlschlagende Tests laden ihre Playwright-Trace-Files als GitHub-Action-Artifact hoch, damit die Testanalyse später ohne Re-Run möglich ist. Für tiefere CI/CD-Patterns siehe Playwright-Tutorial.
KI ersetzt keine Tester. Sie ersetzt Tester, die keine KI nutzen.
Praxis-Case: 18 Fiori-Tests in 14 Tagen
Ein mittelständischer Logistik-Kunde aus Süddeutschland (~500 Mitarbeiter, EBITDA-Mitte zweistelliger Bereich) hat 2026 sein klassisches SAP ERP auf S/4HANA Cloud Public migriert. Der Frontend-Stack: 18 produktive Fiori-Apps für Bestellung anlegen, Wareneingang buchen, Inventur-Korrektur, Reklamationsbearbeitung und Lieferantenstammpflege. Vorher: manuelle Regressions-Tests durch fünf Power-User, drei Personentage Aufwand pro Release-Zyklus, alle vier Wochen.
Wir haben mit dem Team in 14 Personentagen eine Playwright-Suite aufgesetzt. Stack: Playwright 1.60 plus playwright-sap als UI5-Wrapper, TypeScript als Test-Sprache, GitHub Actions Self-Hosted-Runner mit SAP-Cloud-Connector-Tunnel zur Public-Cloud. Test-Daten kamen aus einem dedizierten Test-Mandant mit anonymisierten Lieferanten-Stammsätzen (DSGVO-konform, kein Daten-Klon aus Prod).
Ergebnis nach drei Sprints: 18 vollautomatisierte Fiori-Tests, Time-to-Run 12 Minuten pro Pipeline-Lauf, Personentage pro Release-Zyklus auf 0,5 Tage reduziert (Test-Ergebnis-Review plus Failure-Triage). Lizenzkosten: 0 Euro, weil Open Source. Schulungs-Aufwand für das interne Test-Team: zwei Tage TypeScript-Basics, ein Tag playwright-sap-Workshop. Für Cluster-Vertiefung zu CI/CD-Setup siehe Playwright-Tutorial.
DSGVO und EU AI Act bei SAP-Test-Daten
Wenn Sie Playwright gegen Ihr produktives SAP-System fahren, müssen Sie drei Compliance-Dimensionen prüfen. Das ist keine Bürokratie, sondern eine konkrete Pflicht aus der DSGVO und seit August 2026 zusätzlich aus dem EU AI Act, sobald Sie KI-gestützte Test-Generierung einsetzen.
- Test-Daten-Klassifizierung. Ein SAP-HR-Mandant enthält personenbezogene Daten im Sinne von DSGVO Art. 4 Nr. 1. Wenn Sie Tests gegen diesen Mandanten fahren, ohne die Daten zu anonymisieren, ist das eine Verarbeitung mit Rechtsgrundlage Art. 6 Abs. 1 lit. f (berechtigtes Interesse), die dokumentiert werden muss. Sauberer ist ein separater Test-Mandant mit synthetischen Stammdaten oder anonymisierten Klonen.
- KI-Output-Transparenz. Wenn Sie playwright-praman oder einen anderen LLM-getriebenen Locator-Heilungs-Agent einsetzen, fällt der KI-Output unter EU AI Act Art. 50 (Transparenzpflichten). Test-Code, der durch KI generiert oder modifiziert wird, muss als solcher gekennzeichnet werden. Ein einfacher Code-Kommentar wie
// AI-generated 2026-05-18, reviewed by Wilsonreicht aus. - SAP-Audit-Pflicht. SAP-Anwender-Logs (Tabelle USR02, Log SM19/SM20) müssen erkennen können, dass eine Anmeldung von einem Test-Bot stammt, nicht von einem echten Anwender. Lösung: dedizierte Test-User-Accounts mit Präfix wie
TEST_BOT_FIORI_01, kein generischer Tech-User.
Konkrete Maßnahmen, die Sie heute umsetzen können:
- Test-Mandant strikt von Produktion trennen, kein 1:1-Daten-Klon ohne Anonymisierungs-Schritt.
- Test-User-Accounts mit Präfix und Audit-Sticker im SAP-Auth-Log; pro Test-Suite ein eigener Account.
- Bei KI-Locator-Heilung den LLM-Provider mit EU-Rechenzentrum wählen (Azure OpenAI Region Westeurope, Anthropic über AWS Frankfurt) und einen Auftragsverarbeitungsvertrag prüfen.
- Test-Code in Code-Review behandeln wie Produktiv-Code; KI-Generierte Anteile durch Tester sichten und freigeben.
- Für die EU-AI-Act-Vertiefung mit Annex-III-Bezug siehe unseren KI-Pillar-Artikel.
Fazit: Wann Playwright Tosca ergänzt
Playwright mit UI5-Erweiterungen ist 2026 produktiv-reif für drei Szenarien: mittelständische Fiori-Stacks ohne Konzern-Lizenz-Budget, Frontend-Regressions-Tests in CI/CD-Pipelines neben Tosca-getriebenen Geschäftsprozess-Tests und Code-affine Test-Teams, die TypeScript statt Tosca-Designer bevorzugen. Nicht produktiv-reif für: 160+ Technologie-Coverage à la Großkonzern, regulatorisch verpflichtende No-Code-Test-Designer-Workflows und SAP-GUI-für-Windows-Tests (dort bleibt Tosca oder SAP CBTA der Standard).
Für 2026 und 2027 ist absehbar, dass die UI5-spezifischen Playwright-Erweiterungen weiter wachsen. Praman-ähnliche KI-Self-Healing-Modi werden zur Default-Erwartung, ein SAP-Cloud-MCP-Server analog Microsoft Playwright-MCP ist in der Community angekündigt, und Tosca-Side-by-Side-Strategien (Tosca für Geschäftsprozesse, Playwright für Frontend) werden sich als Best Practice durchsetzen.
Tests sind kein Add-on. Tests sind der Vertrag. Das gilt für Tosca genauso wie für Playwright: Was die Pipeline durchlässt, geht in Produktion.
Häufige Fragen zu SAP-Testautomatisierung mit Playwright (FAQ)
Kann ich Playwright statt Tosca für SAP einsetzen?
Ja, für Fiori- und UI5-basierte Apps. Für Mainframe-, Java-Swing- oder Legacy-WebGUI-Mischsysteme bleibt Tosca der Standard, weil playwright-sap dort nicht hinreicht. In Konzern-Setups laufen beide Tools meist parallel. Vertiefung im Tosca-Artikel.
Welches Playwright-SAP-Framework ist am Besten?
Default-Empfehlung: playwright-sap als breitester Wrapper für UI5 und WebGUI. Bei reinen Fiori-Stacks mit KI-Bedarf greift playwright-praman, bei minimalistischen UI5-only-Projekten reicht playwright-ui5. Detaillierte Matrix siehe Frameworks-Vergleich.
Funktioniert Playwright mit S/4HANA Cloud Public?
Ja. Der Login-Helper in playwright-sap unterstützt BTP-Auth über SAML-IdP und OAuth2-Flow. Hauptherausforderung in der Praxis sind die Custom-Rollen im Test-Mandant, weil die Standard-Rollen nicht alle Fiori-Apps freigeben. Setup-Dauer typisch ein bis zwei Tage.
Wie geht Playwright mit SAP-CSRF-Token um?
Das Framework playwright-sap holt das CSRF-Token automatisch beim Login über einen HEAD-Request auf /sap/bc/ui5_ui5/ mit Header X-CSRF-Token: Fetch. Bei eigenen Setups ohne playwright-sap musst du das Pattern manuell implementieren. Die Token-Lebensdauer entspricht der SAP-Session.
Was kostet Playwright im Vergleich zu Tosca?
Playwright und playwright-sap selbst kosten 0 USD (MIT-Lizenz). Reale Kosten entstehen für den Self-Hosted-Runner (eine Linux-VM, typisch 50-100 USD pro Monat) und für Test-Engineer-Zeit. Tosca Enterprise-Lizenz beginnt erfahrungsgemäß ab 50.000 USD pro Jahr für mittlere Konzern-Setups. Tiefer in Tosca vs. Playwright.
Kann ich SAP-GUI für Windows mit Playwright testen?
Nein. SAP-GUI für Windows ist eine Native-Anwendung ohne Browser-Frontend, Playwright steuert ausschließlich Web-Browser. Für SAP-GUI-Tests bleiben Tosca, SAP eCATT oder SAP CBTA die Standard-Werkzeuge. Eine Migration auf Fiori-Frontends ist mittelfristig der Ausweg.
Wie integriere ich Playwright in SAP Solution Manager?
Der Solution Manager bietet keine native REST-API für Test-Status-Imports. Das produktiv erprobte Pattern: Playwright schreibt JUnit-XML als Test-Output, ein Custom-Script lädt das Ergebnis über die ChaRM-OData-Schnittstelle in den Solution Manager. Alternative: Tricentis qTest mit Playwright-Adapter, allerdings kostenpflichtig.