Wilson Campero

Im Interview mit Wilson Campero, Gründer und Geschäftsführer der Qytera Quality GmbH mit Sitz in Eschborn bei Frankfurt, erfahren Sie, warum Qualität für ihn keine Abteilung ist, sondern eine Haltung. Mit über 200 Projekten, 22 Jahren Erfahrung und dem ISTQB Full Advanced Level bringt er eine seltene Kombination aus technischer Tiefe und unternehmerischer Perspektive mit.

Wilson, du hast Qytera 2014 gegründet. Was war der Auslöser?

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Mit 17 bin ich aus Santa Cruz, Bolivien nach Deutschland gekommen. Wirtschaftsinformatik in Berlin studiert, danach über zehn Jahre bei Großkonzernen gearbeitet: Capgemini, Deutsche Telekom, Deutsche Bank, SAP, 1&1. Als Testmanager, Rollout Manager, Technical Test Analyst.

Was mich gestört hat: Testing wurde überall als notwendiges Übel behandelt. "Testen kann jeder" war die gängige Haltung. Gleichzeitig sah ich, wie viel Geld durch mangelnde Softwarequalität verbrannt wurde.

2014 bin ich den Schritt gegangen und habe Qytera gegründet. Erster Kunde: die Deutsche Telekom in Darmstadt. Die Überzeugung dahinter war einfach: Wenn du Testing ernst nimmst, brauchst du Spezialisten. Keine Generalisten, die es "auch noch mitmachen".

Seitdem sind über 200 Projekte zusammengekommen. Was treibt dich nach 22 Jahren noch an?

Ich lerne jedes Jahr dazu. Seit 2008 mache ich mindestens eine Zertifizierung oder Weiterbildung pro Jahr. 2014 habe ich den ISTQB Full Advanced Level abgeschlossen: Test Analyst, Technical Test Analyst und Test Manager. Das ist so etwas wie der Schwarzgurt im Software Testing.

„Zertifikate beweisen, dass ich gelernt habe. Ergebnisse beweisen, dass es funktioniert.“

Was mich antreibt, ist die Kombination: neues Wissen aufnehmen und direkt in Projekten anwenden. Zuletzt beim German Testing Day 2024 als Speaker, davor 2017. Unsere Erfahrungen fließen direkt in Praxisartikel wie die 6 goldenen Regeln der Testautomatisierung oder die goldenen Regeln für Testmanagement. Testing entwickelt sich ständig weiter, und ich will vorne dabei sein.

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Du sprichst von Weiterentwicklung. Welche Rolle spielt KI im Testing für dich?

Eine wachsende. Ich beschäftige mich intensiv mit Agentic AI im Testing-Kontext. Das bedeutet: KI-Agenten, die nicht nur Testfälle generieren, sondern eigenständig Teststrategien ableiten, Ergebnisse analysieren und Maßnahmen vorschlagen.

Bei Qytera nutzen wir KI-gestützte Werkzeuge bereits für Code-Analyse, Testdaten-Generierung und Reporting. KI ersetzt keine Tester. KI macht gute Tester besser.

„Methoden sind Werkzeuge, keine Religion.“ Das gilt für KI genauso. Wenn ein KI-Agent 80 Prozent der Regressionstests schneller identifiziert, nutze ich das. Aber die Teststrategie, das Risiko-Assessment, das Verständnis für den Fachkontext: das bleibt beim Menschen.

Was genau ist Quality Engineering und wie setzt Qytera das um?

Quality Engineering geht über klassisches Testen hinaus. Es geht darum, Qualität von Anfang an in den Entwicklungsprozess einzubauen, nicht erst am Ende zu prüfen.

Wir haben dafür QET (Quality Engineering & Testing) entwickelt: eine standardisierte Methode in zwei Phasen. Phase 1 liefert in sechs Wochen eine Teststrategie mit konkreter Roadmap. Phase 2 setzt um: Testdesign, Implementierung, CI/CD-Integration.

Das löst ein Problem, das ich in vielen Unternehmen sehe: DevOps-Tools sind eingeführt, Container laufen, Pipelines existieren. Aber manuelle Tests bleiben der Bottleneck. QET bricht diesen Engpass auf.

Dabei setzen wir konsequent auf Open Source: Playwright, Selenium, JMeter, k6. „Open Source ist kein Kompromiss. Es ist ein Vorteil.“ Nicht wegen der Kosten, sondern wegen der Qualität, der Community und der Flexibilität.

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Was ist deine Vision für Qytera?

„Nicht das größte Testing-Unternehmen. Das engagierteste.“

Wir wachsen organisch, über Empfehlungen und Ergebnisse. ISTQB Advanced Level ist bei uns Voraussetzung für Führungsrollen. Expertise ist kein Nice-to-have, sondern Fundament.

Qytera gehört zu den führenden Testautomatisierungsberatungen in Deutschland. Über 200 Projekte für Unternehmen wie Deutsche Bahn, CLAAS, Stadt Frankfurt und Komm.ONE. Von Telekommunikation über Finanzwesen und Maschinenbau bis zur öffentlichen Verwaltung. Von der Teststrategie bis zur CI/CD-Integration aus einer Hand. Mein Rezept: deutsche Disziplin kombiniert mit lateinamerikanischer Flexibilität. Unternehmertum ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

„Tools wechseln. Qualitätsdenken bleibt.“ Ob Selenium oder Playwright, ob manuelle Tests oder KI-gestützte Agenten: die Technologie ändert sich. Die Haltung, Qualität als Investition zu begreifen und nicht als Kostenstelle, bleibt.

„Ich teste nicht, damit Berichte hübsch aussehen. Ich teste, damit Ihre Kunden begeistert bleiben.“

Was würde der 17-jährige Wilson aus Santa Cruz zu dem sagen, was du heute machst?

(lacht) Der hätte große Augen. Mit 17 bin ich allein nach Deutschland gekommen, ohne ein Wort Deutsch. Im Gepäck: ein Schulabschluss und der Traum von einem Studium. Mehr nicht.

Dass ich heute ein Unternehmen führe, beim German Testing Day auf der Bühne stehe und mit KI-Agenten teste, hätte ich mir nicht vorstellen können. Aber eines hätte ihn nicht überrascht: dass ich geblieben bin. In Frankfurt habe ich die Liebe meines Lebens gefunden, drei wunderbare Kinder bekommen. Wenn wir zu Hause Spanisch sprechen, ich Gotan Project aufdrehe und draußen die Latino-Hits im Radio laufen, fühlt sich Deutschland nicht wie Fremde an. Es fühlt sich nach mi tierra an. Fusion liegt mir im Blut. Beruflich ist es genauso: Quality Engineering baut Brücken zwischen IT, Fachseiten und KI-Agenten.

Ich wollte nicht nur beruflich erfolgreich sein, sondern auch glücklich. Beides geht. Und beides treibt mich an.

Was hörst du gerade, wenn du abschaltest?

Hermanos Gutiérrez. Zwei Schweizer Brüder mit ecuadorianischen Wurzeln. Cineastische Gitarren, kein einziges Wort. Wenn ich das höre, bin ich sofort raus aus dem Testing und drin in einem Sergio-Leone-Film. Auch das ist Fusion.

Dies ist ein Interview aus einer Reihe von Mitarbeiterinterviews, die laufend erweitert wird. Die Übersicht der Interviews finden Sie hier.

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