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Erfahrungsbericht QS-Tag 2022: Reinventing Quality

QTAF Qytera Test Automation Framework
Lesedauer: 3 Minuten

Am 5.10/6.10. fand der QS-Tag 2022 als Präsenzveranstaltung im Steigenberger Airport Hotel am Flughafen Frankfurt statt. Auch wenn Corona und Remote-Work in den Vorträgen Thema waren, bestand während der QS-Tage reichlich Gelegenheit zur persönlichen Kontaktaufnahme: in gemeinsamen Pausen, an den Ständen der Aussteller und nicht zuletzt während der inkludierten Abendveranstaltung.

Der QS-Tag stand unter dem Motto "Reinventing Quality" und fächerte sich nach der Keynote in die Tracks Process, Products, People und Special Topics. Zusätzlich war die Robocon zu Gast und stellte einen weiteren Track. Meine Auswahl an Vorträgen war eine persönliche und ich habe sicherlich in den parallelen Tracks Interessantes verpasst.


Mit der Keynote "Paradigmenwechsel! Neue Denkweisen, neue Ansätze für Management und Qualität in der VUCA-Welt" ( VUCA = Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) hat Prof. Ayelt Komus den Rahmen für das Motto des QS-Tags abgesteckt. Seiner Analyse nach befinden wir uns im Übergang von der komplizierten in die komplexe Welt und "tradierte Ansätze" seien da möglicherweise "nicht nur wirkungslos, sondern kontraproduktiv". "Neue Rollen und ein neues Selbstverständnis von QM und QS-Prozess und -Rollen" müssten her.


Die Keynote fokussierte allerdings eher die Managementebene ("Erfolgreiches Managen im Komplexen"). So wundert es auch nicht, dass agile Skalierungsansätze (SAFe, LeSS, Nexus, Scrum@Scale, Spotify Model, Disciplined Agile) im Vordergrund standen.


Ein Schwerpunkt meiner Vortragsbesuche am ersten Tag waren nach der Keynote Testintelligenz und der Einsatz von künstlicher Intelligenz beim Testen.


“Test Intelligence” soll helfen, "auf Basis der eigenen Daten mehr Fehler in kürzerer Zeit zu finden". Dr. Elmar Jürgens stellte im gewohnt engen Publikumsdialog die Verwendung der statischen Analyse zur aktiven Steuerung des Testprozesses vor, insbesondere zu Feinabstimmung der Testabdeckung und der Ausführungsreihenfolge von Testsuiten. Praktisch wurde der Vortrag ergänzt durch einem Solution-Workshop, in dem der Referent mit einem Kollegen (Dr. Sven Aman) Test Intelligence im praktischen Einsatz mit dem Werkzeug Teamscale demonstrierte.

Einen eher allgemeineren Einstieg brachte Prof. Winter nach der Mittagspause mit "Testen und künstliche Intelligenz - wo stehen wir heute." Die in vielen Systemen eingesetzten Verfahren des Machine Learning wurden dargestellt, wobei insbesondere für den Test relevante Eigenschaften dieser Verfahren auch praktisch beleuchtet wurden. Der Vortragende musste neben inhaltlichen Herausforderungen auch technische bewältigen und hat sein Improvisationstalent bei den aufgetretenen Schwierigkeiten überzeugend zum Einsatz gebracht.


Mit "From Usage Analysis to Automated Regression Testing supported by Machine Learning: Experience Report" zeigte Prof. Legeard, University of Franche-Comté, einen weit entwickelten Einsatz von KI beim Testen. Machine Learning wird nicht nur zur Analyse des Benutzerverhaltens in der Praxis, zur automatisierten Ableitung von Testfällen auf dieser Basis, sondern auch zu Messung und Optimierung von Testläufen eingesetzt. Autonomous Testing scheint bei diesem Ansatz zum Greifen nah.


“Testsuiteoptimierung mit Machine Learning”: Dr. Gregor Endlers Erfahrungsbericht zeigte, wie mittels des Machine Learning Systems Scryer mit Echtwelt-Daten eines Großprojekts aus dem Bereich Medizintechnik Testsuites optimiert werden konnten. Der Einsatz von KI für die Steuerung des Ablaufs von Testsuiten ist offenbar in vergleichbaren Fällen eine Alternative zum Einsatz von Test Intelligence auf Basis statischer Analyse.


Im einzigen Vortrag zum Thema Testdaten:“Reinventing Test Data - Anonymization, Pseudonymization and Synthetic Data: A State of The Art Review”, präsentierte Christian Alexander Graf die Unterschiede zwischen synthetischen Daten und anonymisierten, bzw. pseudonymisierten Produktionsdaten. Detailliert ging er auf die Risiken der Pseudonymisierung persönlicher Daten ein, insbesondere auf Möglichkeiten der De-Anonymisierung. Zur Beherrschung von Offenlegungsrisiken pseudonymisierter Daten empfahl er eine differenzierte Testdatenstrategie.


Mit "Lästige Dokumentation ? Wie sollte eine Dokumentation sein, die alle lieben" beschrieb Andre Mainka praktische Erfahrungen bei der Einführung eines Repositories zur Dokumentation verschiedener Artefakte im Entwicklungs-und Testprozess. Der Zuhörer wurde mit auf eine Reise vom ersten Piloten bis zur erfolgreichen Migration in einem ganzen Projekt genommen. Am zweiten Tag bewegte ich mich im Track Prozesse und Products. Während Frau Dr. Klaudia Dussa-Zieger in ihrem Vortrag “Testen in DevOps - Was ist neu oder anders? “ eher methodische Aspekte in der DevOps-Acht beleuchtete, gab Michael Mirold in “Aktuelle agile Testpraktiken und -muster” einen Überblick über die zuletzt grundlegend gewandelten technischen Rahmenbedingungen des Testens. Beide Vorträge ergänzten sich, auch wenn die beiden Referenten zum Thema des jeweils anderen wenig Berührungspunkte sahen.


Nach Prof. Ayelt Komus besteht die Chance in der VUCA-Welt auf "Bessere, echte SW-Qualität, frühere und gelebte echte Einbindung, verbesserte Akzeptanz und Wertschätzung". Das sind allerdings keineswegs neue Hoffnungen und gerade von Seiten des GTB (Dr. Armin Metzger) wurden in der Panel-Diskussion “Agiles Testen 2022 - Herausforderungen und Handlungsbedarf “ wehmütige Erinnerungen an die "guten alten" Zeiten um 2010 laut, als die Agilität die Fortschritte methodischen Softwaretestens noch nicht zu unterlaufen begonnen hatte. Die in die Podiumsdiskussion einbezogenen Besucher aus dem Publikum relativierten diese Sicht allerdings.


Fazit

Das mit dem QS-Tag 2022 abgedeckte Themenspektrum war erheblich und die Gelegenheit zur persönlichen Kontaktaufnahme mit Testexperten nicht nur aus Deutschland ein unschätzbarer Vorteil. Aus meiner Perspektive wurden die mit dem Titel “Reinventing Quality” gesteckten Erwartungen nicht durchgängig erfüllt, insbesondere weil außer der Keynote die wenigsten Vorträge Bezug zum Thema des QS-Tags nahmen.

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11. November 2022

Über den Autor

Bild des Benutzers Markus Thaler
Senior Testmanager, Testarchitekt
Markus Thaler war 22 Jahre in der Commerzbank tätig, wo er sich mehr als 10 Jahre um Teststandards, Testwerkzeuge und Testautomatisierung in einer zentralen Funktion gekümmert hat, bevor er nach einer Zwischenstation im Testinfrastrukturmanagement acht Jahre als Testmanager in der Risikofunktion der Commerzbank gewirkt hat. Vor der Commerzbank konnte er Testerfahrungen bei Lufthansa, Siemens, Nestle und der DZ-Bank gewinnen. Aktuell ist er als Senior Testmanager und Testarchitekt bei Qytera tätig.